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Literatur trifft Kunst: Lesung der "Federkiele" im Feuerbachhaus
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AKTUELLES | NEUE MELDUNGEN
Mittwoch, den 11. Juli 2018 um 08:01 Uhr
Von Susanna Hedrich
Man spürte den Geist von Anselm Feuerbach, als im Garten des Feuerbachhauses die Lesung der Speyerer Literaturgruppe "Die Federkiele" stattfand. Unter dem Motto "Literatur trifft Kunst" war es eine Hommage an den berühmten Speyerer Künstler, über den Einblicke aus seinem Leben und seinem künstlerischen Schaffen gewährt wurden. Das vorgetragene Repertoire umfasste Lyrik, Prosa, Lustiges, Nachdenkliches, Mystisches und Märchenhaftes.

Die Geschichte von Ulrike Grömling "Tagsüber im Museum", vorgetragen von Martina Ohler, erzählte von der Volontärin einer Zeitung, die einen Bericht über das Feuerbachhaus schreiben sollte Je mehr sie die Gemälde von Feuerbach betrachtete, vereinnahmte sie deren Faszination. Besonders angetan war sie von "Der Römerin". Sie empfand die Anwesenheit des Künstlers im Raum und begann mit ihm einen Dialog zu führen. So fragte sie, ob er glücklich sei und was für einen Wunsch er habe. Insgeheim hoffte sie, von ihm ein Geheimnis zu entlocken. Er offenbarte ihr, dass er nach Anerkennung strebe und für hohe Ideale lebe. Das kleinere Bild an der Wand, das im Gesamtbild von "Das Gastmahl des Plato" zu sehen ist, inspirierte Ulrike Görgen eine lyrische Darbietung zu schreiben. Die Gäste am Tisch laben sich an dem Gastmahl. Gesättigt und schwerfällig diskutieren sie über das Leben und die Liebe. Sie ergötzen sich an dem Anblick halbnackter Personen und nackter Kinder, die hereintreten. Doch das Tanzpaar auf dem "Bild im Bild" an der Wand kommt sich körperlich immer näher und entschwindet gemeinsam, um die Liebe zu leben. Sne?na Lazic blickte "An einem Abend irgendwo in Venedig" auf Anselm Feuerbach, der enttäuscht in seinem Sessel saß und über sein gescheitertes Leben nachdachte. Er fühlte sich als Versager, fragte sich, wann er aufgehört hatte zu leben. Seine Stiefmutter Henriette glaubte an seine künstlerischen Fähigkeiten, trieb ihn immer an weiter zu malen. Doch seine schönste, geliebte Muse Nana fühlte sich irgendwann als seine Sklavin, da er sie immer wieder malen musste. Er machte sie zu seiner Göttin, doch sie erhob den Vorwurf, dass er genau so tot wäre, wie all seine Bilder. Müde schleppte er sich in sein Bett, um nie wieder aufzustehen.
Peter Hildebrandt erzählte in "Die weiße Wand" über die größte Schmach und künstlerische Niederlage, die Feuerbach in seinem Leben erlebt hatte. Voller Eifer fieberte er der Weltausstellung entgegen. Mit seinem Freund Viktor wartete er gespannt auf den Vorentscheid, welches Bild für die Ausstellung ausgewählt würde. Als Prinz Friedrich endlich sein Bild enthüllte, war das Publikum entsetzt. Er solle sich schämen und er wäre eine Schande für die Kunst, riefen ihm die Leute zu. Völlig verzweifelt und fassungslos schlug Feuerbach auf das Bild ein und - blutverschmiert von der Farbe -, zerriss  er die "Versuchung des hl. Antonius". Mick Jäger stellt in "Kleine, mutige Flamme" Anselm Feuerbach als 16-jährigen Jungen dar, der seine künstlerischen Entwürfe zerknüllt. Seine Mutter tröstet ihn, indem sie ihn mit einer kleinen Flamme vergleicht, die den widrigen Umständen trotzt. Eines Nachts begegnet er im Schlaf seinem 23-jährigen Selbst, das ihm prophezeit, dass er nach Düsseldorf gehen wird, um in der Kunstakademie Kunst zu studieren. Es rät ihm dringend, an seine Fähigkeiten zu glauben. Mira Hofmann ist der Frage nachgegangen "Wen liebte Feuerbach"? In der Geschichte "Feuerbach und die Liebe" kommt der Künstler selbst zu Wort. Er liebte die Kunst und Italien. Aber seine Leidenschaft galt den schönen Musen, wie Nana und Lucia, die er immer wieder malte. Eine tiefe Bindung hatte er zu seiner Schwester Emilie und zur Stiefmutter Henriette. Doch als künstlerisches Genie liebte er sich selbst am meisten. Lea Zander schrieb die Geschichte vom "Kreidemädchen", die von Jessica Halliday vorgetragen wurde. Künstler Johannes malt im Garten des Feuerbachhauses. Tante Inga ist sein größter Fan und hat immer an ihn geglaubt. Doch seine Muse ist die Bedienungskraft Anais, die er in Kreide malt. Gegenüber ihr ist sein "Selbstvertrauen wie Kreide im Regen". Endlich fasst er sich ein Herz und schenkt Anais beim Weggehen das zusammengerollte Bild. Sie läuft ihm hinterher und bedankt sich. Johanna Gerlach las die Geschichte "Das Bild". Zwei Freundinnen machen in ihrer Kunststunde einen Ausflug ins Feuerbachhaus, da sie sich auf die Abiturprüfungen vorbereiten. Julia vergleicht ihren Freund Andrè mit dem jungen Feuerbach. Doch Andrè ist ein Sprayer, der unerlaubterweise das Schillerdenkmal angesprayt hat. Als gemeinnützige Wiedergutmachung soll er den Zaun eines Kindergartens verschönern. Bei der Enthüllung des Zauns erkennt man die halbnackte Julia mit einem nackten Säugling in Spray verewigt. Auf die Frage zu seiner Inspiration zitiert er Anselm Feuerbach, "Stil ist das wichtige Weglassen des Unwesentlichen".
Für alle Anwesenden war es ein unterhaltsamer, abwechslungsreicher Abend. Bestimmt kam selbst Anselm Feuerbach ins Schwärmen. (Foto: sh)
 

 

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